Ist es legal, Follower zu kaufen?

Viele Unternehmen und Influencer legen großen Wert auf Follower. Denn Follower stehen nicht nur für einen beliebten Social-Media- Account, der weitere Follower anzieht, sondern auch für Reichweite! Es ist nicht überraschend, dass es einen eigenen Markt dafür gibt, Follower zu kaufen. Doch, ist der Kauf von Followern, Likes, Kommentaren und Retweets legal?

Lesezeit ca. 4 Minuten (820 Wörter)

In den vergangenen Jahren hat sich der Verkauf von Followern zu einem lukrativen Geschäft entwickelt. Die Pakete der Anbieter lauten zum Beispiel “100 deutsche Instagram Follower” für 19,99 € oder 100 Twitter-Follower aus “Deutschland/Österreich/Schweiz” für nur 5,95 €. Wem die Herkunft seiner digitalen Gefolgschaft egal ist, für den wird es sogar günstiger. Wer kurz bei Google recherchiert, findet auch Sonderangebote.

Nicht nur Unternehmen und Influencer wollen viele Follower, sondern auch private Personen. Follower stehen nämlich für einen beliebten und interessanten Social-Media-Account, der weitere Follower nach sich zieht. Heiß begehrt sind Follower aber auch, weil sie die spezielle Währung der sozialen Medien für Reichweite darstellen. Da liegt der Gedanke nahe, sich Follower zu kaufen, um den eigenen (Werbe-)Einfluss zu vergrößern. Das ist aber nicht legal, wie in diesem Beitrag erklärt wird.

Follower kaufen verstößt gegen Plattform-Richtlinien

Die Frage, ob der Kauf von Followern legal ist, ist vielschichtig. Zunächst ist festzuhalten, dass ein entsprechender Vertrag zwischen Anbieter und Kunde gültig ist. Denn es besteht kein gesetzliches Verbot gemäß § 134 BGB, dass den Kauf und Verkauf von Followern und Likes untersagt. Es handelt sich hierbei um einen schlichten Dienst- bzw. Werkvertrag. Ein Kaufvertrag kommt hingegen nicht zustande, da nur Follower bzw. Likes gekauft werden und nicht die Rechte an den entsprechenden Accounts der Follower.

Dass der Kauf von Followern nicht legal ist, basiert auf einem anderen Grund: Die Richtlinien von Twitter, Facebook, Instagram & Co. enthalten regelmäßig ein ausdrückliches Verbot, Follower zu kaufen und zu verkaufen. So stellt zum Beispiel der Kauf bzw. Verkauf von Followern aber auch von “Gefällt-mir-Klicks” und Retweets bei Twitter eine sog. Plattformmanipulation dar. Ohne es geprüft zu haben, ist davon auszugehen, dass die Richtlinien der anderen Social-Media-Netzwerke ähnliche Regelungen enthalten und dass diese Regelungen einer rechtlichen AGB-Kontrolle standhielten.

Mit welchen Sanktionen ist zu rechnen?

Unklar ist, ob bereits der Kauf/Verkauf einer geringen Anzahl von Followern, Likes oder Retweets gegen die Richtlinie verstößt oder ob es erst zu größeren Transaktionen kommen muss. Zu dieser Frage schweigt die Twitter-Richtlinie. Die Nutzer sollen absichtlich im Unklaren gelassen werden, damit gar nicht erst der Versuch unternommen wird, die Plattform zu manipulieren.

Wer dennoch gegen die Richtlinie verstößt, muss mit den stärksten Sanktionen rechnen, die das interne Twitter-Arsenal bietet. So warnt Twitter in einem ersten Schritt die übrigen Nutzer vor dem entsprechenden Account und setzt die URL auf eine einsehbare Blacklist. Je nach Intensität und Ausmaß des Verstoßes ist in einem zweiten und dritten Schritt eine temporäre bzw. permanente Sperrung des Accounts zu befürchten. Dagegen laufen Käufer und Verkäufer weniger Gefahr, von Twitter mit Schadensersatzklagen überhäuft zu werden. Denn regelmäßig dürften die Social-Media-Netzwerke keinen Schaden im juristischen Sinne erleiden.

Was besonders Influencern und Unternehmen droht

Als Zwischenergebnis lässt sich somit festhalten, dass der Kauf und Verkauf von Followern, Likes, Kommentaren und Retweets auf Social-Media-Plattformen (wohl) gegen die Richtlinien der jeweiligen Plattform verstoßen. Dies gilt für private Accounts, Influencer und Unternehmen. Allerdings könnte es Influencer und Unternehmen noch härter treffen, da diese u. U. sogar Schadenersatz leisten müssen.

Der Kauf von Followern könnte nämlich auch gegen das deutsche Wettbewerbsrecht verstoßen, das für professionelle Influencer und Unternehmen gilt. Denn eine hohe Anzahl von Followern eines Accounts suggeriert eine besonders hohe Beliebtheit, die es in der Realität nicht gibt. Solche Täuschungen können eine sog. “unlautere geschäftliche Handlung” gemäß § 3 UWG darstellen und empfindliche Folgen haben.

Der Folgenkatalog des UWG beinhaltet neben dem Schadensersatz auch die Gewinnabschöpfung: Ist es einem konkurrierenden Influencer oder Unternehmen möglich, einem manipulierenden Influencer oder Unternehmen nachzuweisen, dass er/sie/es durch den Kauf von Followern einen Gewinn erwirtschaftet hat, können die Konkurrenten diesen Gewinn verlangen und notfalls gerichtlich durchsetzen. Die Welt im B2B-Bereich ist rau.

Ergebnis

Damit steht das Ergebnis fest: Der Kauf von Followern bei Twitter, Facebook, Instagram etc. ist nicht legal. Das Verbot ergibt sich regelmäßig aus den Richtlinien der jeweiligen Social-Media-Plattform. Dabei ist es unerheblich, ob Privatpersonen, Profi-Influencer oder Unternehmen die virtuellen Anhänger käuflich erwerben. Influencer und Unternehmen laufen zusätzlich Gefahr, Schadensersatzansprüchen und der Gewinnabschöpfung nach dem Wettbewerbsrecht ausgesetzt zu sein.

Überdies ist zu berücksichtigen, dass es weitere Gründe gibt, auf einen gesunden organischen Wachstum zu setzen. Gekaufte Follower sind oftmals inaktiv und damit nicht die erhofften Multiplikatoren wie echte Follower. Fällt der Schwindel auf, könnte das zudem zu einem gehörigen Imageschaden führen, der am Ende stärker wiegt als die Vorteile des Kaufs von Followern hätten sein können.

Sind Sie Influencer, Unternehmer oder Privatperson und kommen aus Kiel oder Schleswig-Holstein? Oder kommen Sie aus dem übrigen Bundesland und haben Fragen zu den rechtlichen Aspekten der Social-Media-Plattformen? Dann nehmen Sie gerne unter info@anwalt-daum.de Kontakt zu mir auf.
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